Samstag, 19. Mai 2012

Kunst-Stück

Lin Haas: Erster Mai


Wissenswertes über Kreuzberg

Das Kreuzberger Rathaus steht... nicht in Kreuzberg, sondern in Friedrichshain. Mit der Fusion von Friedrichshain und Kreuzberg zum Großbezirk im Jahr 2000 musste eine Entscheidung her: Wo sollten Bezirksverwaltung und Bürgermeister künftig ihren Sitz haben, an der Yorckstraße oder an der Frankfurter Allee? Nach langem Tauziehen ohne Einigung schlug Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz ein Schachspiel gegen seinen Friedrichshainer Kollegen vor. Der traute jedoch den eigenen Schachkünsten nicht und machte einen Gegenvorschlag: eine Münze werfen. Schulz setzte auf Kopf und verlor - zur Strafe muss er nun zur Arbeit in die Frankfurter Allee fahren.

Weg isser

Im September war es die große Sensation im Kunstraum Bethanien, das zigfach überstrichene und im Rahmen einer Urban-Art-Ausstellung mühevoll wieder freigelegte Banksy-Bild "Every picture tells a lie". Nun ist die Ausstellung vorbei, und in konsequenter Beachtung des temporären Wesens von Street Art haben die Macher des Bethanien das Star-Exponat erneut unter einer Farbschicht verschwinden lassen.

Kunst-Stück

Ich liebe dich bei Nebel und bei Nacht,
wenn deine Linien ineinander schwimmen,
zumal bei Nacht, wenn deine Fenster glimmen
und Menschheit dein Gestein lebendig macht.

Was wüst am Tag, wird rätselvoll im Dunkel,
wie Seelenburgen stehn sie mystisch da,
die Häuserreihn, mit ihrem Lichtgefunkel,
und Einheit ahnt, wer sonst nur Vielheit sah.

Der letzte Glanz erlischt in blinden Scheiben,
in seine Schachteln liegt ein Spiel geräumt,
gebändigt ruht ein ungestümes Treiben,
und heilig wird, was so voll Schicksal träumt.

Christian Morgenstern: Berlin

Ist Kreuzberg ungesund?

Die Vermutung liegt nahe, wenn man den Gesundheitsbericht 2011 des Senats für Gesundheit und Umwelt liest. Zumindest die Lebenserwartung ist im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die niedrigste in ganz Berlin (Männer: 75,4, Frauen: 80,9 Jahre). Das könnte an einer gewissen Neigung vieler Kreuzberger zu nicht ganz so gesunden Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Trinken und Feiern liegen. Spitzenreiter in Sachen Lebenserwartung sind übrigens Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf. Wir meinen: dann lieber nicht so alt werden, aber dafür in Kreuzberg Spaß haben!

Kunst-Stück

Marie Heinrichs: Verspätung

Im Archiv

Blick zurück nach vorn

Blick zurück nach vorn

Die Eisenbahnmarkthalle lebt auf: Seit Oktober gibt es hier wieder einen Wochenmarkt. Von[...]

Genuss am anderen Ufer

Genuss am anderen Ufer

Als Kreuzberger hat man keinerlei Veranlassung, zum Essengehen einen anderen Bezirk aufzusuchen.[...]

Heiße Phase

Heiße Phase

Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Brandstiftungen und den bevorstehenden Wahlen? Dass in[...]

Hoch die Tassen!

Hoch die Tassen!

Die Idee kommt aus Neapel - nun soll das Kaffee-Spendieren auch in[...]

Ran an die Frau

Ran an die Frau

Nach der Kreuzberger CDU vor zwei Jahren setzen nun offenbar auch die[...]

Die Patin

Die Patin

Wie kamen Kreuzberger Straßen und Plätze zu ihren Namen? Die Namenspatronin der[...]

Würfel im Winterschlaf

Würfel im Winterschlaf

Im Prinzenbad wurden die fünf Hotelwürfel des Scube-Park zum Saisonende abgebaut. Für's[...]

I don’t like Mondays

I don't like Mondays

8.00 Uhr, Montagmorgen. Nichts Böses ahnend stecke ich den Autoschlüssel ins Zündschloss und[...]

And the winner is…

Wahlplakat von Die Partei Berlin 2011 Der Preis für die bösesten und zugleich lustigsten Wahlplakate geht 2011 an die Partei "Die Partei". An die Macht kamen die Satiriker um Martin Sonneborn noch nicht, auch wenn ihnen in Friedrichshain-Kreuzberg nur ganze 0,2 Prozentpunkte zum Einzug in die Bezirksverordnetenversammlung fehlten. Ein Sonderpreis gebührt der Partei zusätzlich für das Überkleben der unsäglichen NPD-Plakate.

“Die kommt nicht von hier, die ist sowieso schon anders”

“Die kommt nicht von hier, die ist sowieso schon anders” "Die kommt nicht von hier, die ist sowieso schon anders"

Sommerlager

Sommerlager Sommerlager

Berlin ist viel entspannter als London

Berlin ist viel entspannter als London Berlin ist viel entspannter als London

Achtung – wild?

Achtung – wild? Achtung - wild?

Krise? Ist bei uns zuhause der Normalfall.

Krise? Ist bei uns zuhause der Normalfall. Krise? Ist bei uns zuhause der Normalfall.

Genuss am anderen Ufer

Genuss am anderen Ufer Genuss am anderen Ufer

Multikulti Mädchenfußball

Multikulti Mädchenfußball Multikulti Mädchenfußball

Die Patin

Die Patin Die Patin

Ladylike war gestern

Ladylike war gestern Ladylike war gestern


Vis-a-vis

“Die kommt nicht von hier, die ist sowieso schon anders”

Von Cornelia Brelowski

Aktionskünstlerin Anne Tismer über ihr derzeitiges Projekt, über Berlin und Togo und was es heißt, die Welt neu zu erklären.

Neulich in Kreuzberg: Eine Gruppe unförmiger Säulen aus Strickwürsten in schreienden Farben, genannt Flumkis, räkeln sich mitten auf dem Oranienplatz im Sonnenschein. Begeisterte Zuschauer vorwiegend türkischer Herkunft ergötzen sich am Happening der Künstlerin Anne Tismer.

Seit 2004 tritt Tismer als interdisziplinäre Aktionskünstlerin auf, zu Anfang vor allem mit dem Künstler John Bock, mit dem sie noch heute gelegentlich zusammenarbeitet. Mit Rahel Salvoldelli gründete sie 2005 das Kollektiv „GutesTun“ und war 2006 Mitbegründerin des Ballhaus Ost in Prenzlauer Berg. … »



Vis-a-vis

Berlin ist viel entspannter als London

Im Rahmen unserer Europa-Interviews spricht Philipp Koch mit der Engländerin Kamala Hamilton-Brown.

Kamala Hamilton-Brown ist 23 Jahre alt und kommt aus Gloucester bei London. Im Rahmen des EU Programms EVS (European Voluntary Service) arbeitet sie für ein Jahr in Berlin bei Citizens of Europe, einem Verein, dessen Anliegen die Vertiefung der europäischen Zivilgesellschaft ist. Wir treffen Kamala im Büro von Citizens, von dem man einen schönen Blick über den Görlitzer Park hat.

Kreuzmag: Gibt es einen Unterschied zwischen dem alltäglichen Leben in England und Deutschland?

Kamala: Ich glaube, der Unterschied liegt für mich weniger zwischen England und Deutschland, sondern zwischen London und Berlin. Ich habe das Gefühl, dass Berlin so etwas wie eine Insel in Deutschland ist. Zum Beispiel die Rush Hour. … »



Vis-a-vis

Multikulti Mädchenfußball

Kreuzberger Kickerinnen von Türkiyemspor suchen multikulturelle Verstärkung

Von Ilka Fleischer und Anja Kesting
„Da spielen doch nur Türken!“ – „Weit gefehlt!“, kontert Giovanna Krüger, Betreuerin der Fußballerinnen des Türkiyemspor Berlin 1978 e.V. Mit dem Vereinsnamen verbinden viele zwar einen exklusiv türkischen Club, aber die Mädchen- und Frauenteams von Türkiyemspor sind so „multikulti“ wie die Kreuzberger Bevölkerung. „Durch die WM erlebt der Frauen- und Mädchenfußball im Moment regen Zulauf. Manche Vereine müssen in der neuen Saison mehrere Teams einer Altersstufe in den Spielbetrieb schicken, … »



Vis-a-vis

Krise? Ist bei uns zuhause der Normalfall.

In unserer Interview-Reihe “Europa in Kreuzberg” spricht unser Autor Philipp Koch heute mit der serbischen Künstlerin Tijana Titin. Die 30-Jährige kam Ende 2006 nach Berlin. Nach einem Zwischenstopp in Charlottenburg lebt und arbeitet sie heute in Kreuzberg.

Kreuzmag: Liebe Tijana, wie war es für dich als Nicht-EU-Bürgerin, ein Visum zu bekommen, um an der UDK weiter studieren zu können?

Titin: Ohne das Stipendium, das ich vom serbischen Staat für die Fortsetzung meines Studiums bekommen habe, wäre es mir kaum möglich gewesen, nach Berlin zu gehen. Als ich 2006 hergekommen bin, war das noch schwieriger als heute. Seitdem ich mein Studium mit der Meisterklasse abgeschlossen habe, muss ich aber jedes Jahr bei der Ausländerbehörde nachweisen, dass ich arbeite und mein Geld als Künstlerin selbst verdiene. … »



Petitessen

Sommerlager

Eine Erzählung von Philipp Koch

- Und ich sage dir, diese Stadt, die ist wie eine enorme Maschine. Und wir sind das Material, mit dem sie betrieben wird. Oben stopfst du Menschen hinein, an der Seite führst du Beton ein und von unten Verkehrsmittel. Dann alles schön lange durchschütteln, ne Prise Geld und nen guten Schwung Öl hinterher. Diese Maschine alles gut durchschütteln lassen und neue Rohstoffe hinzugeben…

In meiner Phantasie, also wenn ich mir das so bildlich vorstelle, dann sehe ich unsere Stadt immer als eine riesige Schüttelmaschine. Keine Ahnung wieso. Ich weiß nur, dass, wenn die Stadt wie eine Maschine ist, dann kann man sie nie ganz verstehen. … »



Vis-a-vis

Senfbanane im TV begründet Kreuzberger Erfolgsgeschichte

Banane mit Senf? Igitt, mögen manche denken, das klingt ja scheußlich. Die Macher der „Sendung mit der Maus“ probierten es aus, fanden’s lecker und weckten damit die Neugier eines Spandauer Elternpaares, das mit seinen Kindern am Fernseher zuschaute.

„Gutes Essen war uns immer schon wichtig, und wir haben auch gern Sachen selbst gemacht,“ erzählt Christoph Schambach, der gemeinsam mit seiner Frau Merit den Senfsalon in der Hagelberger Straße betreibt. So begann die Familie vor zehn Jahren mit Senf zu experimentieren – am Anfang natürlich mit der Bananen-Variante aus der „Maus“. Später wurden dann immer neue Rezepte mit immer ausgefalleneren Zutaten ersonnen. Bald überstieg die Produktion den heimischen Verbrauch, und die Schambachs wurden beliebte Gäste auf jeder Grillparty … »



Miljöh

Ladylike war gestern

Von Funda Agirbas

Zerrissene Netzstrümpfe, knappe Hot Pants und jede Menge Tattoos auf Rollen: Das ist das Roller Derby Team der Berliner „Bombshells“. Ihr Fahrstil ist rasant, Bodychecks sind erwünscht und ihre Leidenschaft für Extreme-Skating macht sie zu einem starken Team.

Die Sporthalle in der Kreuzberger Wrangelstraße ist von einem ohrenbetäubenden Getöse erfüllt. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein wildes Durcheinander von rempelnden Mädels auf Rollschuhen, entpuppt sich schnell als gut organisiertes Training. … »



Petitessen

Das Kreuz des Freiberuflers


Wir Freiberufler tragen ein schweres Los. Neben den finanziellen Unsicherheiten, die die Chef-losigkeit mit sich bringt, müssen wir uns mit allerhand Querelen herumschlagen.
Da wäre zum Beispiel das gegenüber uns gehegte Vorurteil, wir säßen die ganze Zeit nur Mac-bewaffnet und Latte-Macchiato-trinkend in Cafés herum, hochkonzentrierte Arbeit vortäuschend, dabei würden wir eigentlich nur E-Mails checken. Zum Mitschreiben: Das sind nur die Exhibitionisten unter uns. … »



Petitessen

Held in falschen Schuhen

Unser Autor besuchte den Heldenmarkt, die Messe für nachhaltigen Konsum. Und fand heraus, dass es nicht so einfach ist, zu den Guten zu gehören.

So sieht sie also aus, die Perfekte Flasche für – natürlich – Leitungswasser. Auf der Produktbeschreibung lese ich ganz oben aufgeführt ein Schlagwort, das mich heute den ganzen Tag begleiten wird: Nachhaltigkeit. Ich frage den netten holländischen Flaschenverkäufer, was es mit der Nachhaltigkeit auf sich hat und bekomme die Information, dass die Perfekte Flasche selbst bei “einmal am Tag in der Waschmaschine waschen” locker fünf Jahre durchhält. Ich bin nicht überzeugt, hätte mir mehr Zusatzfunktionen gewünscht: vielleicht einen automatischen Filter, der aus normalem (Leitungs-) Wasser strukturelles Wasser macht. Oder Wein. … »



Petitessen

Achtung – wild?


Um die Wahrheit zu sagen: Kreuzberg war nicht direkt die erste Wahl des nach Berlin umgesiedelten Friesen. Zuvor hatte er Wohnen in Schöneberg, Mitte natürlich, Friedrichshain, Charlottenburg, Wilmersdorf und Prenzlauer Berg probiert (nicht chronologisch, sondern nach Sexyness geordnet). Dann das Angebot eines befreundeten, schwer heimwehkranken Exil-Münchners, seine günstige Wohnung am Mariannenplatz zu übernehmen… Der Friese kam und blieb. (…)



Vis-a-vis

Fette Beats und gute Taten

Von Funda Agirbas

Ihr Name ist Programm: Irie Révoltés haben Spaß, eine Meinung und viele Anliegen.

Das Café Kotti ist bereits am frühen Nachmittag gut gefüllt. Die multikulturelle Atmosphäre hier passt bestens zu dem bevorstehenden Interview mit den beiden Sängern Carlito (31) und Mal Élevé (28) von Irie Révoltés. Die ursprünglich aus Heidelberg stammende neunköpfige Band engagiert sich mit kraftvollen Songs, satten Beats und großem sozialem Engagement gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausbeutung. … »



Petitessen

Sind wir dafür oder dagegen, und wenn ja wie sehr?

Neulich, im Kreuzberger Rathaus – oder auch: Warum politische Sitzungen so lange dauern

Herr Müller findet Brandstiftung blöd. Man muss etwas dagegen tun, sagt er, dass in den letzten Wochen so viele Autos gebrannt haben. Deshalb bringt er einen Antrag ein. In die Bezirksverordnetenversammlung, kurz BVV, von Friedrichshain-Kreuzberg. Die soll eine Resolution verabschieden, in der steht, dass Brandstiftung „auf das Schärfste“ zu verurteilen ist, dass die Berliner Polizei und der Senat das Problem verharmlosen und dass man der Bundespolizei danken muss für ihre Hilfe in dieser „ausweglosen Situation“. Herr Müller und seine Partei sagen: Schluss mit den Brandstiftungen!
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