Vis-a-vis
“Die kommt nicht von hier, die ist sowieso schon anders”
Von Cornelia Brelowski
Aktionskünstlerin Anne Tismer über ihr derzeitiges Projekt, über Berlin und Togo und was es heißt, die Welt neu zu erklären.
Neulich in Kreuzberg: Eine Gruppe unförmiger Säulen aus Strickwürsten in schreienden Farben, genannt Flumkis, räkeln sich mitten auf dem Oranienplatz im Sonnenschein. Begeisterte Zuschauer vorwiegend türkischer Herkunft ergötzen sich am Happening der Künstlerin Anne Tismer.
Seit 2004 tritt Tismer als interdisziplinäre Aktionskünstlerin auf, zu Anfang vor allem mit dem Künstler John Bock, mit dem sie noch heute gelegentlich zusammenarbeitet. Mit Rahel Salvoldelli gründete sie 2005 das Kollektiv „GutesTun“ und war 2006 Mitbegründerin des Ballhaus Ost in Prenzlauer Berg. … »
Vis-a-vis
Berlin ist viel entspannter als London
Im Rahmen unserer Europa-Interviews spricht Philipp Koch mit der Engländerin Kamala Hamilton-Brown.
Kamala Hamilton-Brown ist 23 Jahre alt und kommt aus Gloucester bei London. Im Rahmen des EU Programms EVS (European Voluntary Service) arbeitet sie für ein Jahr in Berlin bei Citizens of Europe, einem Verein, dessen Anliegen die Vertiefung der europäischen Zivilgesellschaft ist. Wir treffen Kamala im Büro von Citizens, von dem man einen schönen Blick über den Görlitzer Park hat.
Kreuzmag: Gibt es einen Unterschied zwischen dem alltäglichen Leben in England und Deutschland?
Kamala: Ich glaube, der Unterschied liegt für mich weniger zwischen England und Deutschland, sondern zwischen London und Berlin. Ich habe das Gefühl, dass Berlin so etwas wie eine Insel in Deutschland ist. Zum Beispiel die Rush Hour. … »
Vis-a-vis
Multikulti Mädchenfußball
Kreuzberger Kickerinnen von Türkiyemspor suchen multikulturelle Verstärkung
Von Ilka Fleischer und Anja Kesting
„Da spielen doch nur Türken!“ – „Weit gefehlt!“, kontert Giovanna Krüger, Betreuerin der Fußballerinnen des Türkiyemspor Berlin 1978 e.V. Mit dem Vereinsnamen verbinden viele zwar einen exklusiv türkischen Club, aber die Mädchen- und Frauenteams von Türkiyemspor sind so „multikulti“ wie die Kreuzberger Bevölkerung. „Durch die WM erlebt der Frauen- und Mädchenfußball im Moment regen Zulauf. Manche Vereine müssen in der neuen Saison mehrere Teams einer Altersstufe in den Spielbetrieb schicken, … »
Vis-a-vis
Krise? Ist bei uns zuhause der Normalfall.
In unserer Interview-Reihe “Europa in Kreuzberg” spricht unser Autor Philipp Koch heute mit der serbischen Künstlerin Tijana Titin. Die 30-Jährige kam Ende 2006 nach Berlin. Nach einem Zwischenstopp in Charlottenburg lebt und arbeitet sie heute in Kreuzberg.
Kreuzmag: Liebe Tijana, wie war es für dich als Nicht-EU-Bürgerin, ein Visum zu bekommen, um an der UDK weiter studieren zu können?
Titin: Ohne das Stipendium, das ich vom serbischen Staat für die Fortsetzung meines Studiums bekommen habe, wäre es mir kaum möglich gewesen, nach Berlin zu gehen. Als ich 2006 hergekommen bin, war das noch schwieriger als heute. Seitdem ich mein Studium mit der Meisterklasse abgeschlossen habe, muss ich aber jedes Jahr bei der Ausländerbehörde nachweisen, dass ich arbeite und mein Geld als Künstlerin selbst verdiene. … »
Petitessen
Sommerlager
Eine Erzählung von Philipp Koch
- Und ich sage dir, diese Stadt, die ist wie eine enorme Maschine. Und wir sind das Material, mit dem sie betrieben wird. Oben stopfst du Menschen hinein, an der Seite führst du Beton ein und von unten Verkehrsmittel. Dann alles schön lange durchschütteln, ne Prise Geld und nen guten Schwung Öl hinterher. Diese Maschine alles gut durchschütteln lassen und neue Rohstoffe hinzugeben…
In meiner Phantasie, also wenn ich mir das so bildlich vorstelle, dann sehe ich unsere Stadt immer als eine riesige Schüttelmaschine. Keine Ahnung wieso. Ich weiß nur, dass, wenn die Stadt wie eine Maschine ist, dann kann man sie nie ganz verstehen. … »
Vis-a-vis
Senfbanane im TV begründet Kreuzberger Erfolgsgeschichte
Banane mit Senf? Igitt, mögen manche denken, das klingt ja scheußlich. Die Macher der „Sendung mit der Maus“ probierten es aus, fanden’s lecker und weckten damit die Neugier eines Spandauer Elternpaares, das mit seinen Kindern am Fernseher zuschaute.
„Gutes Essen war uns immer schon wichtig, und wir haben auch gern Sachen selbst gemacht,“ erzählt Christoph Schambach, der gemeinsam mit seiner Frau Merit den Senfsalon in der Hagelberger Straße betreibt. So begann die Familie vor zehn Jahren mit Senf zu experimentieren – am Anfang natürlich mit der Bananen-Variante aus der „Maus“. Später wurden dann immer neue Rezepte mit immer ausgefalleneren Zutaten ersonnen. Bald überstieg die Produktion den heimischen Verbrauch, und die Schambachs wurden beliebte Gäste auf jeder Grillparty … »
Miljöh
Ladylike war gestern
Zerrissene Netzstrümpfe, knappe Hot Pants und jede Menge Tattoos auf Rollen: Das ist das Roller Derby Team der Berliner „Bombshells“. Ihr Fahrstil ist rasant, Bodychecks sind erwünscht und ihre Leidenschaft für Extreme-Skating macht sie zu einem starken Team.
Die Sporthalle in der Kreuzberger Wrangelstraße ist von einem ohrenbetäubenden Getöse erfüllt. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein wildes Durcheinander von rempelnden Mädels auf Rollschuhen, entpuppt sich schnell als gut organisiertes Training. … »
Petitessen
Das Kreuz des Freiberuflers

Wir Freiberufler tragen ein schweres Los. Neben den finanziellen Unsicherheiten, die die Chef-losigkeit mit sich bringt, müssen wir uns mit allerhand Querelen herumschlagen.
Da wäre zum Beispiel das gegenüber uns gehegte Vorurteil, wir säßen die ganze Zeit nur Mac-bewaffnet und Latte-Macchiato-trinkend in Cafés herum, hochkonzentrierte Arbeit vortäuschend, dabei würden wir eigentlich nur E-Mails checken. Zum Mitschreiben: Das sind nur die Exhibitionisten unter uns. … »
Petitessen
Held in falschen Schuhen
Unser Autor besuchte den Heldenmarkt, die Messe für nachhaltigen Konsum. Und fand heraus, dass es nicht so einfach ist, zu den Guten zu gehören.
So sieht sie also aus, die Perfekte Flasche für – natürlich – Leitungswasser. Auf der Produktbeschreibung lese ich ganz oben aufgeführt ein Schlagwort, das mich heute den ganzen Tag begleiten wird: Nachhaltigkeit. Ich frage den netten holländischen Flaschenverkäufer, was es mit der Nachhaltigkeit auf sich hat und bekomme die Information, dass die Perfekte Flasche selbst bei “einmal am Tag in der Waschmaschine waschen” locker fünf Jahre durchhält. Ich bin nicht überzeugt, hätte mir mehr Zusatzfunktionen gewünscht: vielleicht einen automatischen Filter, der aus normalem (Leitungs-) Wasser strukturelles Wasser macht. Oder Wein. … »
Petitessen
Achtung – wild?

Um die Wahrheit zu sagen: Kreuzberg war nicht direkt die erste Wahl des nach Berlin umgesiedelten Friesen. Zuvor hatte er Wohnen in Schöneberg, Mitte natürlich, Friedrichshain, Charlottenburg, Wilmersdorf und Prenzlauer Berg probiert (nicht chronologisch, sondern nach Sexyness geordnet). Dann das Angebot eines befreundeten, schwer heimwehkranken Exil-Münchners, seine günstige Wohnung am Mariannenplatz zu übernehmen… Der Friese kam und blieb. (…)
Vis-a-vis
Fette Beats und gute Taten
Ihr Name ist Programm: Irie Révoltés haben Spaß, eine Meinung und viele Anliegen.
Das Café Kotti ist bereits am frühen Nachmittag gut gefüllt. Die multikulturelle Atmosphäre hier passt bestens zu dem bevorstehenden Interview mit den beiden Sängern Carlito (31) und Mal Élevé (28) von Irie Révoltés. Die ursprünglich aus Heidelberg stammende neunköpfige Band engagiert sich mit kraftvollen Songs, satten Beats und großem sozialem Engagement gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausbeutung. … »
Petitessen
Sind wir dafür oder dagegen, und wenn ja wie sehr?
Neulich, im Kreuzberger Rathaus – oder auch: Warum politische Sitzungen so lange dauern
Herr Müller findet Brandstiftung blöd. Man muss etwas dagegen tun, sagt er, dass in den letzten Wochen so viele Autos gebrannt haben. Deshalb bringt er einen Antrag ein. In die Bezirksverordnetenversammlung, kurz BVV, von Friedrichshain-Kreuzberg. Die soll eine Resolution verabschieden, in der steht, dass Brandstiftung „auf das Schärfste“ zu verurteilen ist, dass die Berliner Polizei und der Senat das Problem verharmlosen und dass man der Bundespolizei danken muss für ihre Hilfe in dieser „ausweglosen Situation“. Herr Müller und seine Partei sagen: Schluss mit den Brandstiftungen!
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